Vor dem Tod von Tobias, habe ich sie belächelt, die Rituale, als Überbleibsel, altmodisch und nicht mehr zeitgemäß. Aber nach dem Tod meines ersten Sohnes, habe ich sie wieder entdeckt. Ich war am Boden zerstört, mein Leben bestand nur aus Chaos und Trauer. Rituale waren für mich die Tür, die mich wieder ins Leben führte, etwas an das ich mich halten konnte, wenigstens etwas, was wieder etwas Struktur in mein Leben brachte. Dadurch ist mir bewußt geworden, wie wichtig und zwar nicht nur in Krisenzeiten Rituale sein können. Eines der ersten Rituale war, daß wir – immer wenn wir das Wohn- oder Eßzimmer betraten, diesen Stern für Tobias anzündeten. So war er auch sichtbar immer bei uns. An diesem Ritual habe ich auch gelernt, daß sie sich verändern können, denn heute zünden wir den Stern nur noch selten an, aber die besondere Bedeutung hat er auch weiterhin für uns.Gerne würde ich mehr von ganz persönlichen Ritualen berichten. Rituale, die uns an unsere Sternenkinder erinnern, Rituale wie wir Abschied genommen haben oder wie wir die besonderen
Tage begehen. Ich möchte so andere Betroffene ermutigen, eigene Rituale zu entwickeln, die ihnen helfen, ihren Schmerz besser zu ertragen.
Archive for Juli 12th, 2008
Rituale: Überbleibsel und altmodisch?
Samstag, Juli 12th, 2008Wer hat sie nicht erlebt, die Ausgrenzung, die Einsamkeit?
Samstag, Juli 12th, 2008Wer hat sie nicht erlebt, die Ausgrenzung, die Einsamkeit? Plötzlich waren
alle weg wie eine Explosion. Ursula Goldman-Posch schreibt hierzu in ihrem
Buch Wenn Mütter trauern: Das Unverständnis von Verwandten und Freunden
sowie die mangelnden Kommunikationsmöglichkeiten mit den behandelnden Ärzten,
die sie – wie mehrere Mütter formulierten – nach dem Babytod fast wie
Aussätzige meiden, machen diese Trauer zum verschämten Schmerz innerhalb der
eignen vier Wände.
Und wenn man dann tatsächlich noch zeigte, dass man trauerte und sogar
versuchte, von seinem Sohn zu erzählen, dann wurde die Einsamkeit noch größer.
Es ist schon eigenartig, von meinem Vater, der vor 10 Jahren gestorben ist,
darf ich erzählen es gibt so viele schöne Geschichten von ihm zu erzählen
und es ist einfach schön, sie zu erzählen oder zu hören, dass auch mein Bruder
die gleichen Geschichten von ihm erzählt – , aber wenn ich anfange von meiner
ersten Schwangerschaft zu erzählen, dann wird plötzlich das Thema gewechselt
oder ich werde mit entsetzen Augen angesehen. Von Tobias direkt zu erzählen,
habe ich bereits in meiner Familie aufgegeben. Für sie existiert er gar nicht.
Selbst die wenigen Erinnerungen, die wir haben, dürfen wir mit niemanden teilen.